vaterschaftsurlaub

Das ist so eine der großartigen Dinge, mit denen ich ständig konfrontiert werde, wenn ich erzähle, dass ich in Elternzeit bin: „Ach, du machst Vaterschaftsurlaub! Schön!“ Gefolgt von: „Dann hast du ja jetzt endlich Zeit.“

Ja, genau, ich mach 12 Monate Urlaub auf Staatskosten. Geiles Ding!

NEIN! IST ABER NICHT SO! DAS HÄTT ICH GLAUB ICH SCHON GEMERKT!

Allein dieses Wort „Vaterschaftsurlaub“ regt mich tierisch auf. Ja, ich bin zu Hause und Nein ich gehe nicht zu meiner regulären Arbeit, aber ich hab halt ein kleines Baby zu Hause, das ein rundum Sorglospaket von mir erwartet. 24h lang. Urlaub sieht meiner Meinung nach irgendwie anders aus.

Jetzt sagt Ihr vielleicht, hey, ich hab auch Kinder, sogar zwei oder drei und ich arbeite auch ganz regulär, der soll sich mal nicht so aufregen. Der ist schließlich den ganzen Tag zu Hause und muss sich nicht auch noch zusätzlich mit der Arbeit rumschlagen.

Die Frage ist hierbei nur, wer kümmert sich dann um die Kinder? Der Partner? Oma und Opa, Verwandte oder eine Kita? Und haben die, die sich kümmern alle auch Urlaub? Geht man morgens zur Arbeit und wünscht dem Partner, den Großeltern oder den Erziehern in der Kita beim herausgehen noch einen schönen Urlaubstag? Da hätte ich mich als Zivi im Kindergarten aber herzlich bedankt und das Kind postwendend wieder zurückgegeben. Danke, gleichfalls!

Ich sage nicht, dass mir das ganze keinen Spaß macht, oder das ich gerade nicht eine super gute Zeit mit der Kleinen und meiner Frau hab. Überhaupt nicht. Es ist herrlich, aber es ist trotzdem Arbeit. Arbeit, die Spaß macht. Ja, das gibt es. Genauso, wie mir mein regulärer Job auch großen Spaß macht, aber auch der ist Arbeit und nervt manchmal.

Ein interessanter Nebengedanke hierzu ist, dass Arbeit heutzutage ja eigentlich keinen Spaß machen darf, denn wenn das rauskommt, wird sofort das „Schmerzensgeld“ verringert. Der Kerl hat ja Spaß an seiner Arbeit, wenn der das gerne macht, dann macht er das doch auch gerne für weniger Geld. Ist mir in meinem Beruf leider all zu oft untergekommen. Und wenn ich so darüber nachdenke, dann ist meine jetzige Elterngeldbezahlung ja auch nicht der Reißer.

Auch hier, mir ist schon klar, dass das alles Meckern auf sehr hohen Niveau ist. Wenn ich meinen chinesischen Kollegen erzählt habe, dass ich mich jetzt ein Jahr lang um meine Tochter kümmere und dafür auch noch Geld vom Staat bekomme, bekam ich nur ungläubige Blicke zurück. Ich rege mich ja nicht über die Elternzeit an sich auf, sondern über das Verständnis selbiger, vor allem wenn der Vater die Zeit nimmt. (Und mir ist dabei durchaus auch bewußt, dass Mütter diesen Kampf schon seit Jahrzehnten führen.)

Um noch weiter zu demonstrieren, dass Elternzeit kein Urlaub ist, habe ich mal eine kleine Checkliste gemacht, was für mich Urlaub ausmacht:

  1. Ich kann tun und lassen was ich will.
  2. Ausschlafen
  3. Kein Termindruck
  4. Voller Gehaltsausgleich
  5. Reisen

Nun der Vergleich mit meinem „Vaterschaftsurlaub“:

  1.  Not gonna happen. Da weiß die Kleine schon zu intervenieren.
  2.  Not gonna happen. Da weiß die Kleine schon zu intervenieren.
  3.  Not gonna happen. Da weiß die Kleine schon zu intervenieren.
  4. ca. 65% des Nettogehaltes ist definitiv kein voller Gehaltsausgleich.
  5. Könnte man theoretisch  und tatsächlich ist das ja auch ziemlich weit verbreitete Praxis. Der Vater bzw. der Vollzeitjobber nimmt standardmäßig zwei Monate Elternzeit und in denen wird dann dick verreist. Das kann man schon so machen, hab ich gar nichts dagegen, dient ja auch der Familienzusammenführung. Nur hat das ganze dann eher weniger mit Erziehungsalltag zu tun. Mir persönlich fehlen leider die Resourcen um einfach mal mit 65% Nettogehalt 12 Monate auf Reisen zu gehen. Ganz ehrlich, ich hab noch nicht mal angefangen das durchzurechnen. Das wird glaub ich nur deprimierend. Abgesehen davon, müsste ich mit der Kleinen alleine reisen, da meine Frau ja arbeitet. Hmm, dadurch wird´s ja eigentlich wieder günstiger…

Also bleibt´s wohl dabei, dass ich meine ELTERNZEIT zu Hause verbringe, die Zeit aber trotzdem in vollen Zügen genieße und meine Urlaubchekliste auf nächstes Jahr verschiebe. Wobei ich mich von Punkt 1 und 2 der Liste wohl für die nächsten (wenn´s gut läuft) 12 Jahre sowieso verabschieden kann.

So, damit hätt ich mich auch offiziell über meine jetzige Arbeit aufgeregt und laufe wohl keine Gefahr, dass mir das Elterngeld gekürzt wird. Ich klapp jetzt erstmal meinen Laptop zu und geh runter zum Strand. Die Eiswürfel in meinem Cocktail sind geschmolzen, denke ich geh mir einen Neuen holen. Außerdem muss ich mal kontrollieren, ob das hawaiianische Kindermädchen auch lieb zu der Kleinen ist.

Aloha!