trennungLange nichts passiert hier, aber es gab auch einen triftigen Grund. Ich hab bei der Geschäftsleitung 2 Wochen Urlaub eingereicht. Leider ging es nicht nach Malle, sondern ins Saarland. Was an sich nicht schlimm ist, denn das Saarland ist ein schönes Land, aber der Anlass war unschön. Das Haus meiner Großeltern wird verkauft und musste leer geräumt werden.

Und dort hab ich meinen Vaterzeiterholungsurlaub verbracht, ohne Tochter, ohne Internet, dafür schweißgebadet und den Tränen nahe inmitten von Staub, Pollen, Möbelbruchstücken und 1001 Erinnerungen. In diesem Haus und auf dem riesigen Parkgrundstück bin ich aufgewachsen und hab eine wunderbare Kindheit verbracht, habe alle Bäume erklettert, im Haus erste chemische Experimente durchgeführt (die „Ergebnisse“ mindern heute noch den Verkaufswert) und bin im Winter den Hang hinterm Haus auf dem Silbertablett meiner Oma runtergedüst. (Die „Gebrauchsspuren“ sind ihr zum Glück erst im Sommer aufgefallen und somit konnte sie den Tathergang nicht rekonstruieren, oder hat es unter „verjährt“ abgetan.) Dieses Haus war etwas ganz besonderes und erfüllt von dem Geist und der Liebe meiner Großeltern. Ich bin immer wieder gerne dorthin zurückgekehrt, jede Schulferien, später in den Semesterferien und dann während verlängerten Wochenenden und im Urlaub. Es war wie ein Elternhaus für mich. Und obwohl es letztendlich nur rein materielle Dinge waren, so tat es doch weh die alten Möbel, das Geschirr und alles was sich im Laufe eines langen Lebens angesammelt hat wegzugeben oder zu zerschlagen und wegzuschmeißen. Aber einiges haben wir  auch gerettet, in unsere Wohnung aufgenommen, oder eingelagert. Trotzdem hat es sich ein wenig angefühlt, als würde ich Stück für Stück das Leben meiner Großeltern zertrümmern.

Zusätzlich zu dieser Trennung kam auch noch die Trennung von der Kleinen und meiner Frau, die bei den Schwiegereltern 300 Km weiter weg waren. Die Kleine wäre in dem ganzen Chaos natürlich vollkommen fehl am Platze gewesen, aber trotzdem hat sie und ihre Mutter mir schrecklich gefehlt. Das war auch das erste Mal, dass ich länger als ein Wochenende von der Kleinen getrennt war und als ich wiederkam war ich vollkommen erstaunt, was sich in dieser kurzen Zeit alles verändert und neu entwickelt hat. Ganz zu schweigen von dem Größenunterschied. Ich hatte schon geträumt, dass mich die Kleine nicht mehr erkennt und anfängt zu weinen, wenn sie mich sieht, aber nach zwei Wochen Vergangenheit, lächelt mir die Zukunft wieder ins Gesicht und mitten ins Herz.

Ein Lebensabschnitt liegt nun endgültig hinter mir aber die Erinnerungen bleiben und die, das habe ich mir fest vorgenommen, werde ich an die Kleine weitergeben. Auch wenn ich mir sicher bin, dass es sie mitunter nerven wird. Ich hoffe, dass sie später einmal dieses Haus und ihre Urgroßeltern so kennen wird, als hätte sie es selber noch erlebt.