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Ein Abschlussbericht

Mehr oder weniger genau vor einem Jahr endete die Elternzeit vom Papa. Der Blog war von Anfang an darauf ausgelegt nur das Jahr Elternzeit abzudecken, aber irgendwie wollte ich den Blog nicht einfach so aufhören lassen und somit möchte ich an dieser Stelle mit genügend Abstand ein abschließendes Resümee der Elternzeit und deren längerfristigen Folgen geben.

Die Rückkehr in den Job erfolgte mit gemischten Gefühlen. Einerseits war ich voller Elan und auch nach einem Jahr intensiv Kontakt mit meiner Zielgruppe voller Ideen neue Spielzeuge zu entwickeln, andererseits wusste ich, dass ich die Kleine jeden Tag ganz schön vermissen würde und auch die Eingliederung in ein neues Team, welches in meinem Jahr Abwesenheit den Laden geschmissen hat, stellte ich mir nicht ganz einfach vor. Was ich wahrscheinlich auch vermissen würde war die relativ freie Zeiteinteilung (zwischen Frühstück, 6x Windeln wechseln, Krabbelgruppe, Musikgarten, Mittagsschläfchen, Brei machen etc.) im Gegensatz zum nun wieder 9 to 5 Job im Büro. Doch dazu später noch mehr.

Eine weitere Veränderung, der ich mit gemischten Gefühlen gegenüberstand war der Kitastart, der möglichst Zeitnah nach meinem wiedereinstieg in den Job stattfinden sollte. Nachdem wir erfolgreich die Grabenkämpfe um die letzten Kitaplätze absolviert haben(ich hätte nie gedacht, dass das so extrem ist), entschieden wir uns für die HVD Krippe(Humanistischer Verein Deutschland), die genau neben unserem neuen Domizil liegt. Die Eingewöhnungswochen musste dann allerdings die Mama machen, da ich wieder arbeiten ging. Die Kleine war dann natürlich jeden Morgen, ich sag mal, extrem unzufrieden wenn die Mama sich verabschieden wollte. Ich bin mir fasst sicher, dass sie bei mir sehr viel relaxter reagiert hätte. Wie an anderer Stelle schon beschrieben, wenn der Papa geht ist das Drama nur halb so groß. (wenn überhaupt..)

Aber auch hier waren die Bedenken nicht wirklich angebracht, denn nach ein paar Wochen ging die Kleine extrem gerne in die Kita. Teilweise lief es dann so, dass wenn sie abgeholt wurde wir Probleme hatten sie wieder aus der Kita rauszubekommen.

Und auch die gemischten Gefühle bei der Rückkehr in den Job waren unbegründet, denn das neue Team war wirklich super und ich konnte meinen Wiedereinstieg komplett neu verhandeln. Ich hatte während meiner Elternzeit ein Angebot für einen Lehrauftrag an der HAWK Hochschule für angewandte Kunst und Wissenschaft in Hildesheim bekommen und da ich diese Chance nicht verpassen wollte, fragte ich bei meinem Arbeitgeber nach, ob ich nicht in einer drei Tage Woche zurückkehren könnte und den Rest der Zeit einer Lehrtätigkeit nachgehen kann. An dieser Stelle noch einmal ein großes Lob an meinen Arbeitgeber, denn sowohl die Stellenreduzierung, als auch die Rückkehr in den Job in meinen alten Aufgabengebieten waren problemlos möglich. Bis heute habe ich fast keinerlei Nachteile durch meine Elternzeit. (Bis auf den ein oder anderen Scherz auf kosten meiner in Frage gestellten Männlichkeit – „Wie geht es denn der Mama?“) Lediglich wenn mal wieder sporadisch Headhunter anklopfen und diese meinen Lebenslauf durchleuchten werde ich explizit auf das Jahr „Auszeit“ angesprochen, das ich dann immer vehement als Weiterbildung direkt am Kunden verteidige. Ich habe es da mit meinem Job relativ einfach. In anderen Branchen stelle ich mir das Ganze ein wenig schwieriger vor. In einer idealen Welt sollten die letzten Zeilen überhaupt nicht nötig sein, aber da sind wir noch lange nicht. In unserer vom Arbeitsleben bestimmten Welt, in der von jedem höchste Flexibilität erwartet wird und man jederzeit bereit sein sollte dem Job hinter herzureisen, sind die Familienmodelle die eine berufliche Tätigkeit beider Eltern ermöglicht haben oft nicht mehr vorhanden. Großeltern und engere Familie leben hunderte von Kilometern entfernt. Die Elternzeit ist in so einem Fall absolut notwendig. Sicherlich kann man sein Kind auch nach 4 Monaten in eine Krippe oder zu einer Tagesmutter geben, aber das sollte eine Entscheidung sein, die jedes Elternpaar treffen kann und nicht muss, weil die Elternzeit als Karrierekiller argumentiert wird. Und wenn der Vater diese nimmt, noch einmal besonders kritisch beäugt wird. Abgesehen davon können wir nach einem Jahr Kita aus leider viel zu oft gemachter Erfahrung berichten: die Kleinen werden krank. Oft. Sehr, sehr oft. Vor allem im ersten Jahr. Und dann geht’s für (wenn es gut läuft) eine Woche, manchmal aber auch zwei Wochen nicht in die Kita, sondern Home Office ist angesagt. Nur meistens ohne Office, da die Kleinen vor allem im Status Krank extrem pflegebedürftig sind. Viel Spaß beim Jonglieren.

Nach wie vor halte ich die Elternzeit für eine extrem Sinnvolle Maßnahme, wenn es darum geht unser „Geburtenproblem“ in den Griff zu bekommen. Trotzdem denke ich, dass noch Verbesserungspotenzial besteht. Welches das sein kann, weitere Auswirkungen der Elternzeit, wie die Zeit mich persönlich verändert hat und wie ein Leben nach der Elternzeit im Detail aussieht erfahrt ihr in Teil 2 des Abschlussberichtes – coming soon to your favorite screen